Buenos Aires – Niederkassel (zu Hause); 20.2.2006

Unsere Reise liegt nun etwa 5 Wochen hinter uns und zu unserem Erschrecken müssen wir sagen, dass es uns vorkommt, als sei es mindestens 5 Monate her! Sobald wir zurück waren, haben sich aber auch die Ereignisse überstürzt, so dass wir gar keine Zeit hatten, wehmütig zu werden. Aber jetzt erst mal zu den letzten Tagen unserer Reise:

An unserem dritten Tag in Buenos Aires – nachdem unsere Klamotten nach unserer Regennacht im Zelt endlich getrocknet waren – kamen auch Katja und Martin (das andere deutsche Pärchen, das mit Moppeds unterwegs war) in der Werkstatt an und wir haben 2 Nächte zusammen dort im Schlafraum verbracht. Da sich jeder zum Abschluss der Reise aber um seinen eigenen Kram kümmern musste, hatten wir gar nicht so viel Zeit füreinander. Aber zum Abschied von der Reise hatten wir ein schönes Abendessen in einem typisch argentinischen Steakhaus – mit Salatbar für die Vegetarier.

Nachdem wir insgesamt 4 (oder waren es 5??) nervige Nächte in dem Schlafraum in der Werkstatt verbracht hatten, waren wir froh, dass unser Freund Maurizio, den wir in Medellin, Kolumbien, kennen gelernt hatten, uns sein neues, noch leer stehendes Apartment in einer Apartmentsiedlung im Norden von Buenos Aires zur Verfügung gestellt hat. Leer hieß dort wirklich leer: nur das Badezimmer war komplett und wir hatten eine Spüle und einen Herd in der Küche. Geschlafen haben wir auf unseren Isomatten im „Schlafzimmer“. Direkt vor unserer kleinen Terrasse war ein Pool, den wir tatsächlich auch noch einen Tag nutzen konnten.

Überhaupt hat Maurizio uns super geholfen, und uns die schönsten und interessantesten Ecken der Stadt gezeigt  - was bei einer 16 Millionen Stadt sehr hilfreich ist – und letztendlich konnte Henno auch sein Mopped bei Maurizio’s Bruder in der Garage für die nächsten Monate unterstellen.

Am 16. Januar haben wir die Suzuki mit voll gepackten Koffern und gemischten Gefühlen (wird sie auch heile ankommen??) zum Flughafen in Buenos Aires gebracht. Dort haben wir sie komplett wie sie war, auf eine Palette gerollt und mit tatkräftiger Unterstützung des Flughafenpersonals festgezurrt und quasi ihrem Schicksal überlassen. Im Gegensatz zum Hinflug konnten wir das Mopped an einem Stück lassen, aus Sicherheitsgründen wurde nur die Batterie abgeklemmt.

Am 18. Januar ist das Mopped nach Frankfurt geflogen, damit es am 20. auch für uns zum Abholen bereit war. Es war schon ein sehr seltsames Gefühl, mein Mopped dort stehen zu lassen und zu wissen, dass wir es in Deutschland (hoffentlich) wieder sehen würden! Wir haben das Motorrad übrigens mit der Lufthansa verfrachtet, was uns alles in allem etwa 800,- € gekostet hat und trotz unserer anfänglicher Zweifel und Sorgen waren wir echt zufrieden, wie gut alles lief!!

Als die Suzuki weg war, hatten wir Zeit, uns mit und ohne Maurizio noch ein bisschen die Stadt bei Tag und Nacht anzugucken.

Wirklich viel gesehen haben wir allerdings nicht. Aufgrund von schwülen 30°C und Dauerregen und -gewitter hat sich die Zeit in der Stadt vor allem auf Shoppen von Klamotten (vor allem Henno!) und Mitbringseln für Freunde und Familie beschränkt. Und zur Freude Henno’s haben wir auch einige Steakhäuser kennen gelernt, wobei er selbst die am Ende nicht mehr sehen konnte. Es ist aber wirklich unglaublich, was für Fleischmassen da an einem Abend über den Grill gehen!

Neben Einkaufen und Essen gehen haben wir versucht, dass Chaos in der „leer stehenden“ Wohnung zu ordnen und überlegt, was bei Henno’s BMW in Buenos Aires bleibt und was mit nach Hause kommt. In den letzten Monaten hatte sich doch einiges angesammelt, sodass wir uns echt gefragt haben, wie wir das die ganze Zeit mit uns rumgeschleppt haben?!

An unserem letzten Tag in Buenos Aires war es richtig schön warm und wir haben den Tag mit Lesen in der Sonne am Pool unserer Apartmentsiedlung und Packen verbracht. Wir fanden, dass wir uns das zum Schluss aber auch verdient hatten!

Am 19. Februar 2006 sind wir früh morgens mit dem Taxi zum Flughafen gefahren – müde und total aufgekratzt zugleich. Wir sind von Buenos Aires nach Sao Paolo geflogen, wo wir 5 Stunden Aufenthalt hatten und von dort in 12 langen Stunden nach Frankfurt. Dort wurden wir mitten auf dem Rollfeld von 10 Feuerwehrwagen empfangen, weil der Pilot die Warnmeldung erhalten hatte, dass eine Turbine unter Feuer steht. Als ob nicht alles schon aufregend genug gewesen wäre…! War aber letztendlich nur ein blinder Alarm und nachdem wir aus dem Flieger kamen und als erste unsere Taschen in Empfang genommen hatten, sind wir mit dem Bus zum Cargo-Bereich des Frankfurter Flughafen gefahren, um zu gucken, ob die Suzuki tatsächlich schon auf uns wartete. So war es dann auch. Es ging alles erstaunlich schnell und einfach: wir haben unsere Frachtpapiere vorgelegt, alles vom Zoll abstempeln lassen und total übermüdet und aufgekratzt die Suzuki in einwandfreiem Zustand mit dem Gabelstapler vorfahren lassen. Wie in Trance haben wir die Sicherheitsschnüre und die Schutzfolie runtergerissen, unsere Moppedklamotten angezogen und uns auf das total überpackte Mopped gesetzt, das angesprungen ist, als könnte es es nicht erwarten, nach Hause zu kommen!

Auch, wenn es ziemlich kalt war und genieselt hat, hat sich für uns zum Abschluss noch der Traum erfüllt, unsere Reise nicht am Flughafen zu beenden, sondern mit dem eigenen Mopped zu Hause vorzufahren!

Bei meinen Eltern in Niederkassel angekommen wurde uns vom „Empfangskomitee“ gleich ein Kölsch in die Hand gedrückt und viele viele Freunde haben uns zur gesunden Heimkehr gedrückt und beglückwünscht – es war total schön!!

Mit unserer gesunden Heimkehr ging eine super schöne, pannenfreie, erlebnisreiche,…. alles in allem einfach geniale Reise zu Ende und in dem Moment, wo ich das gerade schreibe, habe ich einen dicken Klos im Hals! Wir haben in den 18 Monaten auf den 65.000 Kilometern in allen Ländern, die wir zwischen Alaska und Feuerland bereist haben, nur gute Erfahrungen gemacht. Wir haben viele Menschen kennen gelernt, die uns sehr wichtig geworden sind und denen wir auch viele schöne Erlebnisse in deren Land und darüber hinaus zu verdanken haben. Wir haben auf der Reise auch gelernt, dass es wichtig ist, (Hilfe) einfach nur (an)nehmen zu können, ohne etwas dafür geben zu müssen – was in einigen Situationen sicher eher beleidigend gewesen wäre! Aber wir hoffen doch, dass wir viele von unseren Freunden, die wir auf der Reise getroffen haben, noch einmal sehen werden und ihnen dann auch mal unsere Heimat zeigen können.

Wir werden hier zu Hause natürlich oft gefragt, wo es uns am besten gefallen hat. Eine Frage, die wir mit einem Wort natürlich nicht beantworten können! Missen möchten wir kein Land der Reise, das mal vorweg. Landschaftlich haben uns Alaska, die Weite Kanadas, der Westen der USA, Teile Mexikos, die Vulkane in Mittelamerika, die Anden in Südamerika, die Wüsten in Bolivien und Chile, die Weite Argentiniens, um nur ein paar Beispiele zu nennen, gefallen. Besonders nett und herzlich waren die Menschen in Kolumbien – aber wie schon gesagt: wir haben in allen Ländern Freunde gefunden! Kulturell waren Mexiko, Guatemala, der Süden Kolumbiens, Peru und Bolivien sehr interessant und schön.

Ob wir diese Reise genauso noch mal machen würden? Im Grunde ja, allerdings würden wir aufgrund dessen, was wir gesehen und erlebt haben, sicher einiges anders machen. Weitere Fragen beantworten wir jetzt nur noch persönlich! ;-)

Hier in Deutschland ging alles recht schnell. Henno hat am 1. Februar seinen Job als Lehramtsreferendar begonnen. Wir haben schon nach gut einer Woche eine Wohnung in Köln gefunden, wo wir es uns also jetzt gemütlich machen werden und ich werde am 1. März eine Vertretungsstelle an der Sporthochschule in Köln beginnen. Unsere Reise ist für uns schon sehr weit weggerückt und oft kommt es uns vor, als wären wir gar nicht weg gewesen, so schnell haben wir uns hier wieder eingelebt. Wir werden allerdings in den nächsten Tagen unsere Reisedias angucken, die wir noch gar nicht gesehen haben und dann wird die Reise hoffentlich wieder präsenter für uns sein. Von den aussortierten Dias wird es sicher auch eine kleine Dia-Show geben, von der wir euch dann vorher Bescheid geben werden.

Euch danken wir dafür, dass ihr uns immer auf unserer Reise begleitet habt und für die lieben und (manchmal nötigen) aufmunternden Kommentare als E-Mail oder Gästebucheintrag! Wir werden unsere E-Mail-Adresse behalten – auch falls ihr jemanden kennt, der ähnliches vor hat und Tipps haben möchte.

Wir verabschieden uns jetzt hiermit (zumindest bis zur nächsten Reise...) von unserem digitalen Tagebuch – wir werden es vermissen!! – und wünschen Euch alles Gute.

Eure Alex und Henno

Kanada/Alaska - U. S. A. - Mexiko/Belize - Mittelamerika - Kolumbien/Ecuador/Peru - Bolivien/Chile/Argentinien

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